Hallux valgus – eine fast unendliche Geschichte

Ich war gerade mal zehn Jahre alt, als die ersten Probleme mit meinen Füßen auftraten. Meine Zehen bogen sich so komisch nach oben und lagen fast über den zweiten Zehen. Links war es etwas schlimmer als rechts. Zu dieser Zeit bekam ich auch immer häufiger Schmerzen in meinen Fußballen, vor allen Dingen, wenn ich viel gelaufen war. Außerdem hatte ich nachts quälende Krämpfe im gesamten Fußbereich und oft auch in den Waden.
Meine Mutter machte umgehend einen Termin in einer großen Orthopädiepraxis unserer Stadt. Nachdem er meine Füße kurz untersucht hatte, empfahl er lediglich, beim Schuhkauf auf ausreichend Platz in den Schuhen zu achten. Das mit den Zehen verwachse sich noch, ich sei ja noch ziemlich klein. Mutter verließ wortlos mit mir die Praxis, und ich wusste, da gingen wir bestimmt nicht wieder hin.
Schon drei Wochen später hatten wir einen Termin bei einem nicht minder bekannten Orthopäden unserer Stadt.
Der nahm sich mehr Zeit für mich und untersuchte und vermaß meine Füße, außerdem fertigte er Röntgenbilder an. Anschließend bat er uns zum Gespräch. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich den Ausdruck „Hallux valgus“. Ich bekam Einlagen angepasst und der Arzt verschrieb mir außerdem noch Schienen, die ich möglichst jeden Tag und jede Nacht tragen sollte. Mutter musste mir neue Schuhe kaufen, in die meine geschienten Füße samt Einlagen hineinpassten.
Tagsüber Schienen und Einlagen zu tragen, war schon eine Quälerei, aber nachts bereiteten mir die Schienen Höllenqualen. Ich hatte solche Krämpfe in den Zehen, dass mir oft die Tränen in die Augen schossen vor lauter Schmerzen. Der Arzt hatte aber gewarnt, es sei nicht ganz angenehm, diese Schienen zu tragen. Also biss ich die Zähne zusammen und hielt eine Zeitlang durch. Dann begann ich, die Schienen auf dem Schulweg heimlich auszuziehen und in der Schultasche verschwinden zu lassen. Aber meine Mutter bemerkte das natürlich schon nach kurzer Zeit.
Nachts, im Tiefschlaf, riss ich mir die Schienen von den schmerzenden Füßen.
Wieder vereinbarte Mutter einen Termin, bei einem weiteren stadtbekannten Orthopäden. Der sah sich nur kopfschüttelnd die Schienen an und gab uns zu verstehen, dass solche Schienen eigentlich nur nach erfolgten Operationen anzuwenden seien, für eine sehr begrenzte Zeit. Meine Füße waren in der Zwischenzeit gewachsen und so passte er mir neue Einlagen an. Die ungeliebten Schienen landeten im Müll.
Mutter hat ganz schön was mitgemacht mit mir in dieser Zeit. Andere Mädchen trugen nun die ersten hohen Schuhe, fast schon Pumps oder High Heels und schicke Sandalen. Hohe Schuhe schaden den Füßen natürlich noch mehr (siehe auch Hallux Valgus) und Mutter verbot sie mir glücklicherweise rigoros. Aber mit den Sandalen im Sommer, das war schon ein Problem. Der Schuhkauf dauerte immer Stunden und ich bekam nie das, was ich gerne wollte. Die nächsten Jahre über blieb meine Mutter hart, was das Tragen der ungeliebten Einlagen und den Kauf passender Schuhe anging. Heute bin ich ihr sehr dankbar deswegen. Ich bin gerade achtzehn geworden und die Fehlstellung der Zehen ist durch die konsequente Behandlung völlig korrigiert. Auch heute noch bin ich beim gleichen Orthopäden in Behandlung. Er hat mir versichert, ich käme jetzt dauerhaft um die unangenehme und nicht unproblematische Operation des Hallux valgus herum.